Ein kleiner Etappensieg für die Stevia

Wie für sehr viele Menschen in Deutschland ist es auch für mich immer noch unverständlich wieso die Stevia keine Zulassung bekommt. Wenn es doch mal passiert, dass ein Produkt mit Stevia, (erst mal egal in welcher Form) die Zulassung gerichtlich erstreitet, ist das wieder ein kleiner Etappensieg. Zum Glück für die Steuerzahler muss nicht jeder einzelne Joghurt vor dem Verkauf zugelassen werden.

Trotzdem fragen sich viele was dieses (mittlerweile) ziemlich dumme Spiel soll. Von den Schmiergeldern der Lobby hätte wohl in der Zwischenzeit eine ganze Stevia-Industrie aufgebaut werden können die auch noch Gewinne erwirtschaften würde.

Mit dieser Meinung stehe ich wohl nicht allein da und die Lächerlichkeit des Ganzen hat mich zusätzlich dazu bewogen diesen Beitrag am 11.11.11 um 11.11 Uhr zu posten.

Fast 30 Jahre Kampf um die Zulassung

Da werden Jahrelang (seit 1982 kämpft man um die Zulassung als natürlicher Süßstoff) Vor und Nachteile diskutiert, Kommissionen beschäftigt und als Gipfel der Lächerlichkeit wird versucht die Pflanze an sich zu verbieten oder unter die „Novelfood“ Verordnung zu pressen.
HALLO GEHT’S NOCH???
Eine Pflanze die wahrscheinlich seit tausenden Jahren genutzt wird in Kategorien wie „Neu entdeckt“ oder „Neu entwickelt“ einzuordnen? Wahrhaft ein Narrenstreich und würdig für den 11.11.11 – (Verordnung (EG) Nr. 258/97 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 27. Januar 1997 über neuartige Lebensmittel und neuartige Lebensmittelzutaten) Anbieter: Europäische Union.
Besonders der zweite Grund ist lustig „neuartig“
(Zitat)
„ Zum Schutz der öffentlichen Gesundheit ist dafür Sorge zu tragen, dass neuartige Lebensmittel und neuartige Lebensmittelzutaten einer einheitlichen Sicherheitsprüfung in einem Gemeinschaftsverfahren unterliegen, bevor sie in der Gemeinschaft in den Verkehr gebracht werden. Für neuartige Lebensmittel und neuartige Lebensmittelzutaten, die den bestehenden Lebensmitteln und Lebensmittelzutaten im wesentlichen gleichwertig sind, sollte ein vereinfachtes Verfahren vorgesehen werden.“
(Zitatende)

Stevia schwer zu kaufen

Als deutsche Verbraucher haben wir es noch am schwersten Stevia-Produkte zu kaufen. In Form von „Zahnpflegemitteln“ oder „Badezusätzen“ kann man den Süßstoff erwerben, um die fehlende Lebensmittelzulassung zu umgehen muss solch ein „Deklarationstrick“ angewendet werden (nochmal Lächerlich).
Importiere ich Stevia Produkte, ist das möglich und von kleineren Problemen mit den Zollbehörden mal abgesehen auch ziemlich einfach.

Getrocknete Blätter (30 mal so süß wie Zucker)oder reines Steviosid (bis 300-mal so süß wie Zucker), Tropfen oder Tabs im Spender, egal ich nutze das seit Jahren und wenn beim Steviosid die Dosierung stimmt, dann schmeckt auch nichts bitter.

Klar haben Naturprodukte einen Eigengeschmack, der ist bei der Stevia aber angenehm und klar ist auch, dass „Raffinierter“ Zucker durch die Abfolge der Verfahrensschritte Auflösen, Entfärben, Filtrieren, Auskristallisieren und Zentrifugieren nicht mehr nach Rüben schmeckt. Das macht aber nicht die Stevia schlechter.

Starker Süßstoff in der Stevia

Die Stevia-Pflanze beinhaltet einen äußerst starken Süßstoff, eben dieses „Steviosid„. Es genügen bereits ein paar Tropfen Stevia-Extrakt um Getränke oder Speisen ausreichend zu süßen und zudem hat der Konsum des pflanzlichen Süßstoffs keinen Einfluss auf Ihren Blutzuckerspiegel.

Diabetiker zum Beispiel können Stevia bedenkenlos konsumieren. Stevia ist praktisch kalorienfrei, pflegt zudem die Zähne und hemmt die Bildung von Karies. Die Stevia ist als ideale Zuckeralternative für Übergewichtige und Diabetiker die sich bewusst ernähren wollen eigentlich nicht mehr wegzudenken.
Lange genug wurde sie in den Papierbergen der Kommissionen versteckt und immer wieder in die Schubladen verbannt.

Der Erfolg, den die bayrische Molkerei vor Gericht erstritten hat ist hoffentlich eine der letzten Hürden für den Siegeszug der Stevia. CommonsBlog: Stevia: Kampf um eine freie Ressource? (Artikel zum Urteil)

Stevia Einsatz: Vorreiter Japan

Am Beispiel von Japan kann man sehr gut erkennen, dass hier bei uns irgendwas falsch läuft in Bezug auf die Gesundheit der Menschen, denn bereits Anfang der 1970er Jahre (also vor über 30 Jahren) trieb die japanische Industrie die Entwicklung von Stevia-Süßstoffen stark voran.

Das Gute daran: Sie wurde von der japanischen Regierung dabei unterstützt, von der die Stevia als Süßstoff umgehend für die Verwendung in Lebensmitteln zugelassen wurde.

Ein Grund für die Bemühungen damals war ein Mangel an Süßstoffen, denn die Verwendung von Cyclamat wurde 1969 in Japan verboten (warum wohl?) und die toxikologische Unbedenklichkeit von Saccharin war dort eigenartigerweise auch schon umstritten.

Außerdem sollte der Saccharose Verbrauch in der Bevölkerung eingeschränkt werden. Dort herrschte die Auffassung, dass Produkte natürlichen Ursprungs prinzipiell der menschlichen Gesundheit weniger schaden als synthetisch hergestellte Substanzen. Eigentlich ein gutes, ein logisches Prinzip und ein weiterer guter Grund für eine rasche Zulassung der Stevia-Süßstoffe auch bei uns.

Abschließend

In unserer Ernährung spielt Zucker eine sehr große Rolle, soviel dürfte jedem klar sein. Zucker steckt nicht nur in Süßigkeiten sondern auch in vielen Nahrungsmitteln, in denen man ihn zuerst gar nicht vermutet (zumindest nicht in großen Mengen) zum Beispiel in vielen Fertigprodukten.

 
Klar ist Zucker schmackhaft und auch nicht giftig, doch gesundheitsschädlich wird es in den Bereichen, wo sich übermäßiger Zuckerkonsum (im wahrsten Sinne des Wortes) „breit macht“ schließlich steckt Zucker voller Kalorien und fördert/beschleunigt die Bildung von Übergewicht.

So macht sich Zucker zunächst auf der Waage bemerkbar und bei dauerhafter falscher Nutzung auch durch Krankheiten wie Bluthochdruck und Diabetes.

Für viele Speisen ist es das etwas an Zucker, das den letzten Pfiff gibt und der Genuss kommt von dem süßen Geschmack. Doch die Stevia Rebaudiana, diese unscheinbare Staude aus dem südamerikanischen Dschungel, kann das alles auch und hat sich als pflanzliche Zuckeralternative auch schon weltweit einen festen Platz erobert.

Weitere Beiträge (jede Menge) gibt es auch auf anderen Webseiten und ein paar davon, sind hier noch erwähnt.
Studie über Süßstoffe im PDF Format, die mit 98 Seiten sehr ausführlich und immer noch aktuell ist:
E. Peters: Stromberg-Gymnasium- Süßstoffe
YerbaBuena der Blog zum Shop: Alles zur Stevia Kochen/Backen/süssen
Stevia-Tee als Süßungsmittel erlaubt
Zucker-Ersatz Stevia Verkauf weiter erlaubt
die Heilkraft der Stevia rebaudiana Bertoni

Weit-weg.reisen, Neuseeland

Viele Grüße aus Plauen im Vogtland
 
Steffen Beyer
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Aktualisierung: Die Zulassung ist endlich durch! Haben wir am 12.11.11 erfahren. Was für ein Sieg nach dem langen Kampf!
Was Sie alles mit der Stevia anstellen können, Süßen, Kochen, Backen, erfahren Sie gleich hier.
YerbaBuena, was man alles mit der Stevia Rebaudiana machen kann