Etwas mehr ist gut oder?

Überall wird Ihnen erzählt, dass ein paar Vitamine mehr nicht schaden können. Mhhh ist das in jedem Fall richtig oder doch nicht? Negative Schlagzeilen erschüttern immer wieder die “Vitaminwelt” und mehrfach, wie zum Beispiel in der Artikelserie des „Archives of Internal Medicine“ (einer Fachzeitschrift des Amerikanischen Ärzteverbands), kamen wissenschaftliche Arbeiten zum Ergebnis, dass einige dieser „Vitalstoffe in Tablettenform“ schädlich sein können, vor allem wenn sie „zusätzlich“ eingenommen werden.

Zusammen mit dänischen Kollegen erregte beispielsweise der Forscher Goran Bjelakovic (Serbien) zu Beginn des Jahres Aufsehen. In einer Übersichtsstudie veröffentlichte er Ergebnisse, nach denen Ergänzungs/Zusatzpräparate mit Vitamin A, die Vorstufe dazu, das Beta-Carotin genauso wie Vitamin E das Sterberisiko erhöhen. Die Grundaussage dieser Studien ist also: “Vitamin-Tabletten verkürzen das Leben”!

Bei Tests: Ungenügend für Vitaminpräparate

Geht man jetzt davon aus, dass in den am häufigsten verkauften Präparaten in Apotheken, von einigen dieser Nährstoffe/Ergänzungen nur ein Bruchteil der DGE-Referenzmenge enthalten ist, während bei anderen die Dosen mehrfach über den empfohlenen Mengen liegen (z.B. Vitamin B6 oder Biotin) kann man eigentlich nur zu dem Schluss kommen, dass man die Finger generell davon lassen und sich in jedem Fall (bevor man zu solchen Mitteln greift) mit seinem Hausarzt und nicht von Werbesprüchen beraten lassen sollte.

Die Zeitschrift “Ökotest” bewertete bereits in einer Ausgabe vom Februar 2009 (ÖKO-TEST Kompakt Vitamine und Mineralstoffe) rund 250 Arznei- und Nahrungsergänzungsmittel auf dem ÖKO-TEST Prüfstand.
Etliche “Vitaminpräparate” erhielten dort ein ungenügend, weil bei einem Teil die Inhaltsstoffe weit über empfohlenen Tagessatz lagen und bei einem anderen Teil weit darunter (und das nur bei den am häufigsten verkauften Präparaten). Der Preis spielte bei den Tests keine Rolle, war also kein Kriterium für die Qualität. Das führt jedoch zu der Annahme, dass (wie überall), gut nicht gleich teuer sein muss und das Obst und Gemüse auf jeden Fall die beste Wahl ist.

Sollten Sie „zusammen mit Ihrem Arzt“ festgestellt haben, dass der Kauf von Vitaminen und Nahrungsergänzungen Ihnen für einen gewissen Zeitraum helfen kann, muss daher unbedingt der Blick auf die Packungsbeilage als erstes klären ob Sie die richtige Wahl treffen. Grundlegende Dinge, die Sie beachten müssen (Mengen, Dosierung) sollten Sie mit Ihrem Arzt „vorher“ absprechen, denn viele der angebotenen Produkte sind in ihrer Zusammensetzung oft mangelhaft (auch in Apotheken).

Studienergebnisse legen Verzicht nahe

Etliche der angebotenen Produkte sind demnach, obwohl es sie sogar/auch in Apotheken gibt, nicht empfehlenswert. Da sind „Vitaminpräparate“ oft zu hoch dosiert und auch in ihrer Zusammensetzung nicht besonders sinnvoll Ein Artikel der „Verbraucherzentrale Bayern“ in München erklärt, dass Studienergebnisse einen Verzicht nahelegen. Zusammen mit den Vitaminen aus der täglichen Nahrung können so ziemlich schnell große Mengen zusammenkommen, was unangenehme oder gar gefährliche Folgen haben kann. Beispielsweise kann zu viel Vitamin A (bei einer längeren Überversorgung) Kopfschmerzen und Veränderungen der Haut auslösen oder zu Leberschäden führen. Dazu dieses kurze Zitat aus der Seite: Vitamine in der Wikipedia.

(Zitat)
„Eine (längere) Überversorgung mit über 15 mg (= 50.000 IE) Vitamin A kann im Gegensatz dazu zu Erbrechen, Durchfall, Kopfschmerzen, erhöhtem Hirndruck (Pseudotumor cerebri), Abnahme der Knochengewebsdichte (Osteoporose), Vergrößerung von Leber und Milz, Verringerung der Schilddrüsentätigkeit und schmerzhaften Wucherungen der Knochenhaut führen. Generell können höhere Einmaldosen als unbedenklich angesehen werden, während wiederholt höhere Dosen eher die Gefahr einer Intoxikation in sich tragen. Für Tagesdosen von mehr als 7,5 mg (= 25.000 IE) wurden eine Reihe lebertoxischer Effekte nach mehrjähriger Zufuhr beschrieben, teilweise mit Todesfolge“.
(Zitatende)
Die Aussage dieses Zitats ist also wieder einmal: Viel hilft eben nicht viel.

Natürlich werden als Verkaufsargumente meist nur die negativen Folgen genannt, die bei einem Mangel an Vitamin A auftreten. Naja, irgendwie verständlich, denn wenn gesagt wird, dass Sie das Produkt nicht brauchen, dann kaufen Sie es ja auch nicht. Vom Kaufmännischen Standpunkt aus gesehen ist es also nur logisch, das Ihnen gesagt wird warum Sie es unbedingt brauchen. Der Verkäufer kann ja nicht wissen ob Sie es benötigen und glauben Sie es interessiert ihn? Wohl eher nicht!

Keine Vitaminmangelländer in der EU

Deutschland und auch die anderen Europäischen Staaten sind jedenfalls keine „Vitaminmangelländer“ und die empfohlenen Mengen an Vitaminen werden (bei ausgewogener und abwechslungsreicher Ernährung) von der Mehrheit der Menschen mit der normalen Kost erreicht oder überschreitet sie sogar. Menschen, die sich sehr einseitig ernähren oder zu wenig essen, zählen allerdings zu bestimmten Risikogruppen für die es sinnvoll sein kann Vitaminpräparate zu nehmen. Wie bereits geschrieben, sollten diese Menschen vorher auf jeden Fall mit dem Arzt, die Notwendigkeit und die Menge absprechen.